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Tiergestützte Maßnahmen & psychosoziale Gesundheit

Es gibt eine Reihe an tiergestützten Maßnahmen. Diese beziehen Tiere zielgerichtet in Behandlung oder etwa auch pädagogische Maßnahmen ein – auch im Bereich der psychosozialen Gesundheit.

Welche Tiere kommen zum Einsatz? Worauf ist es dabei wichtig zu achten? Erfahren Sie mehr zur tiergestützten Therapie und Co.

Tiergestützte Maßnahmen: Was ist das?

Die Fachwelt diskutiert laufend die Definition von tiergestützten Maßnahmen. Die Internationale Assoziation für Organisationen zu Mensch-Tier-Interaktionen teilt diese wie folgt ein:

Tiergestützte Interventionen ist der Überbegriff für alle Maßnahmen. Unter einer tiergestützten Intervention verstehen Fachleute eine zielgerichtete und strukturierte Maßnahme. Diese bezieht Tiere in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens, Sozialwesens oder im Bereich der Pädagogik ein. Zu tiergestützten Interventionen zählen:

  • Tiergestützte Therapie: Bei dieser setzen Personen aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen mit einer Zusatzausbildung die Arbeit mit Tieren ergänzend und gezielt zur Behandlung ein. Zum Beispiel im Bereich der Psychotherapie, klinischen PsychologieErgotherapie oder Physiotherapie. Oder auch in einem multiprofessionellen Team – etwa in einer Betreuungseinrichtung, z.B. unter Einbindung der Heilpädagogik. Die individuelle Gestaltung des Therapieprozesses sowie die Zusammenarbeit zwischen Klientinnen und Klienten, dem Tier und den durchführenden Personen sind dabei wesentlich.
  • Tiergestützte Pädagogik: Diese Arbeit mit Tieren wird pädagogisch begleitet, vor allem von Pädagoginnen und Pädagogen oder Heilpädagoginnen und Heilpädagogen mit einer entsprechenden Fortbildung. Sie dient etwa der Förderung oder der Entwicklung von Fähigkeiten, z.B. in einer Kinderbetreuungseinrichtung. Hier zählen zum Beispiel Tierbesuche dazu, bei denen auch zur Haltung von Tieren informiert wird. Die heilpädagogische Arbeit kann je nach ihrer Ausrichtung zur tiergestützten Therapie gezählt werden.
  • Tiergestütztes Coaching bzw. tiergestützte Beratung: Diesbezüglich ausgebildete Coaches bzw. Berater:innen setzen Tiere ein, um Menschen bei der persönlichen Weiterentwicklung zu helfen oder die Zusammenarbeit in der Gruppe zu unterstützen.

Im weiteren Sinne zählen auch sogenannte tiergestützte Aktivitäten zu den tiergestützten Interventionen. Auch für diese ist eine fachliche Weiterbildung notwendig. Zu tiergestützten Aktivitäten zählen z.B. Besuchsdienste mit Tieren oder Outdoor-Aktivitäten mit Tieren.

Welche Tiere kommen bei tiergestützten Maßnahmen zum Einsatz?

Folgende Tiere kommen bei tiergestützten Maßnahmen zum Einsatz, zum Beispiel: Hunde, Pferde, Kaninchen, Katzen, Ziegen, Esel, Alpakas oder Enten.

Auch Robotertiere werden mitunter eingesetzt, zum Beispiel in Form einer Roboter-Robbe oder eines Roboter-Hundes.

Hinweis

Nicht jede Tierart und nicht jedes Tier ist für tiergestützte Interventionen geeignet. Bei der Haltung bzw. Arbeit mit Tieren sind die Gesetze im Bereich Tierschutz zu beachten. Nähere Informationen finden Sie in einer Broschüre über Tierschutz des Sozialministeriums.

Wie können sich tiergestützte Maßnahmen auf die psychosoziale Gesundheit auswirken?

Tiergestützte Maßnahmen können u.a. folgende Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit haben:

Es sind jedoch noch weitere Forschungen zur Wirkung von tiergestützten Maßnahmen erforderlich, um genauere Aussagen dazu zu treffen. 

Was ist bei tiergestützten Maßnahmen zu beachten?

Im Rahmen von tiergestützten Maßnahmen sind auch unerwünschte Ereignisse möglich, zum Beispiel bei einer Tierallergie. Auch Ansteckungsgefahren sind zu beachten. Es ist daher wesentlich, das Vorliegen von Allergien abzuklären und die Tiere medizinisch betreuen zu lassen – etwa durch Impfungen oder Entwurmung.

Hygienemaßnahmen und Unfallvorbeugung zählen ebenso zu wichtigen Maßnahmen, um unerwünschte Ereignisse zu reduzieren.

Bauen Menschen zu einem Tier eine enge Beziehung auf, können etwa Erkrankung oder Tod des Tieres psychisch belastend sein. Es ist unterstützend, wenn die Ängste, Sorgen und mögliche Trauer der betroffenen Personen ernst genommen und begleitet werden.

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel auf der Website der European Society for Animal Assisted Therapy (ESAAT). Zur Kostenabdeckung informieren Sie Anbieter von tiergestützten Maßnahmen sowie im Rahmen einer Krankenbehandlung Ihr Krankenversicherungsträger.

  • Beetz, A. M.: Tiere in der Therapie – Wissenschaftliche Grundlagen. Online abgerufen im Oktober 2024 unter eag-fpi.com
  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) (2019): Das österreichische Tierschutzgesetz. Online abgerufen im Oktober 2024 unter broschuerenservice.sozialministerium.at
  • Cochrane Deutschland Stiftung (CDS) (2021): Wissen was wirkt. Wie wirksam ist eine Therapie mit Tieren für ältere Menschen. Text: Chapman, S. Übersetzt und adaptiert von Cochrane Deutschland.Online abgerufen im Oktober 2024 unter wissenwaswirkt.org
  • ESAAT- European Society for Animal Assisted Therapy: Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.esaat.org
  • ESAAT- European Society for Animal Assisted Therapy: Verantwortung ernstgenommen. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.esaat.org
  • International Association of Human-Animal Interaction Organizations (2018): Iahaio Weissbuch. Definitionen der Iahaio für tiergestüzte Interventionen und Richtlinien für das Wohlbefinden der beteiligten Tiere. Online abgerufen im Oktober 2024 unter iahaio.org
  • Jones, MG.; Rice, SM.; Cotton, SM. (2019): Incorporating animal-assisted therapy in mental health treatments for adolescents: A systematic review of canine assisted psychotherapy. In: PLOS ONE. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.epistemonikos.org
  • Lai, N. et al. (2019): Tiergestützte Therapie für Menschen mit Demenz. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.cochrane.org
  • Pandey, RP. et al. (2024): The Role of Animal-Assisted Therapy in Enhancing Patients' Well-Being: Systematic Study of the Qualitative and Quantitative Evidence. In: JMIRx Med. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.epistemonikos.org
  • Stadt Wien: Kinder- und Jugendhilfe (2024): Tiergestützte Pädagogik in Kinderbetreuungseinrichtungen. Leitfaden. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.wien.gv.at
  • Tillmann, T. G.; Stamm Näf, A.; Merklin, L.; Känel, U. (2019): Tiergestützte Interventionen: Praxisbuch zur Förderung von Interaktionen zwischen Mensch und Tier. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Bern.
  • Uptodate: Autism spectrum disorder in children and adolescents: Complementary and alternative therapies. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. Online abgerufen im Oktober 2024 unter www.uptodate.com (Registrierung erforderlich)

Letzte Aktualisierung: 15. November 2024

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ.-Ass.in Christine Smetaczek, MMSc. PhD, Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin

Mein Wegweiser

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